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Vulkanische Pigmentspenden für Farbeffusionen von Sonnenuntergängen
Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie Atmospheric effects of volcanic eruptions as seen by famous artists and depicted in their paintings von C.S. Zerefos (National Observatory of Athens, Academy of Athens), V.T. Gerogiannis (National Meteorological Service Greece), D. Balis (Laboratory of Atmospheric Physics, Aristotle University of Thessaloniki), S.C. Zerefos (Department of Architecture, National Technical University of Athens) und A. Kazantzidis (Laboratory of Atmospheric Physics, Aristotle University of Thessaloniki), veröffentlicht am 16 IV 2007 unter Atmos. Chem. Phys. Discuss., 7, 5145-5172, 2007. Die heutzutage leider überwiegend negativ konnotierte Assoziationskette zum Begriff Vulkan beinhaltet an vorderer Position den Untergang. Sodann das Wort Untergang nur eine Richtung weiterer Assoziation zuläßt, eben die zur Katastrophe - somit z.B. ein allabendlicher Untergang der Sonne in dessen Betrachter eigentlich inneren Widerspruch entzünden läßt oder - warum verwenden wir Deutschsprachigen für einen der schönsten Momente täglichen Daseins den gleichen Begriff wie für das Ende jeder Tragödie?

Und doch kann jeder Untergang zur Inspiration werden für die, die aufgrund ihrer Berufung sich oftmals ebenfalls in einem Untergang finden, eben dem eigenen. Für die Berufsgruppe der Künstler werden daher Untergänge nicht selten aus eigentherapeutischen Gründen transformiert zu Lohn und Brot für Dramen in Theater und Literatur, als wie immer auch in andere Künste. Und je weiter sich die Betrachtung eines Untergang distanziert, umso mehr ästhetisiert der Künstler das Gesehene in die Ambivalenz von Schönheit und Schrecken - verdient als poetisches Gehalt seines und anderen Daseins.

Und so wurden und werden immer noch in der Malerei unzählige Sonnenuntergänge motiviert, seit Jahrhunderten als Untergänge in festlichster Farbigkeit auf Untergründe eingebrannt. Doch es ist ja gar nicht die untergehende Sonne, ihre rundliche Scheibe, welche die Sonnenuntergangsbewunderungssucht auslöst, sondern es ist allein das Maß der sonnenuntergangblickrichtungsumgebenden Luftverschmutzung, welches die Färbungen des horizontalen Schauspiels aus Wolken und Himmel komponiert (ohne Aerosole, ohne Dreck in der Atmosphäre, also bei sauberster Luft, würde noch nicht mal der Ort der Sonne am Horizont zu erkennen sein - siehe auch In a pure Rayleigh atmosphere in absence of aerosol the location of the sun is not visible at all) und genau hier es dann zu Farbräuschen kommen kann, wo dann schon mal ein monatelang allabendlich grüner oder blutroter Himmel tatsächlich eine Untergangsstimmung zur Empfindung bindet, sodaß sensible Gemüter wie der norwegische Künstler Edvard Munch einfach mal „losschreien“ müssen (siehe unten), so dieser dann sein in vier Variationen existierendes Gemälde Der Schrei eben vor krassfarbigsten Himmeln vermalen konnte.

Und warum waren/sind seine sonnenuntergängigen Himmel in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts so farbintensiv? Weil zur Entstehungszeit des Bildes Der Schrei der Ausbruch des Krakatau aufgrund eines VEI (Volcanic Explosity Index) von 6 einen DVI (Dust Veil Index) von ca. 2 produzierte, sprich die kilometerhoch gespritzten Aschenteilchen des explosiven Krakatauausbruchs von 1883 aufgrund der stratosphären Winde sich rund um den Globus verteilten, und derart dann monate- bzw. sogar jahrelang zu allabendlichen Pigmenten atmosphärischer Sonnenuntergangsmalerei wurden.

Je dreckiger die Luft, um so farbprächtiger das Panorama während täglicher Sonnenabende. Doch weil Munch seinen SCHREI nicht datiert hat, konnte er auch keine Berücksichtigung finden in der hochinteressanten Studie der fünf griechischen Wissensschaftler, welche exakt 327 datierte Sonnenuntergangsmalereien aus den Jahren 1500 bis 1900 dahingehend analysiert haben, ob sich zeitliche Zusammenhänge herstellen lassen zwischen dem „red-to-green“ Verhältnis der vom jeweiligen Maler verwendeten Farbigkeit und den Grossausbrüchen von Vulkanen wie z.B. Laki (Island 1783), Tambora (Indonesien 1815), Babuyan (Phillipinen 1831), Krakatau (Indonesien 1680 und 1833) und Coseguina (Nicaragua 1835), somit Rückschlüsse möglich sind, aus den digitalen Kalibrierungen der Malereien Aussagen über den Wert des an Entstehungsort und -zeit der Bildes herrschenden DVI zu machen.

Denn neben verschriftlichten Augenzeugenberichten existierte ja kein objektives Messinstrumentarium im betreffenden Zeitraum, somit das griechische Team sich bei der Kunst und ihren künstlerexistenzbegleitenden Untergangsgewöhnungen zu bedanken hat, daß diese eben auch Sonnenuntergänge gemalt haben, wenn sie mal nicht so schön bunt waren wie nach grossen Ausbrüchen - zumal in jenen Zeiten ja gar kein Zusammenhang zwischen Vulkanausbruch in entferntesten Gegenden, stratosphärischem Aschenteilchentransport und Farbintensität des himmlischen Malkastens auch nur vermutet werden konnte. Daher sind in der Studie insbesondere auch die Künstler interessant, die Sonnenuntergangsbilder vorzuweisen haben sowohl aus Phasen vor Vulkanausbrüchen, während und danach, wie z.B. Caspar David Friedrich (1774-1840), Joseph Mallord William Turner (1775-1851) und Edgar Degas (1834-1917).

So willkürlich das klingt, so analytisch überzeugend hat das griechische Forscherteam Kriterien und Messmethoden entwickelt - u.a. wurde auch der jeweilige solar zenith angle zum Entstehungszeitpunkt jeden Bildes ermittelt und entsprechend berücksichtigt - sodass die Studie abschließend nicht nur die Ablesbarkeit des Grades des past volcanic aerosol optical depths in Raum und Zeit dieser Welt anhand der historischen Malereien nachweisen konnte, sondern auch den Künstlern der untersuchten Bilder attestiert, dass sie unglaublich präzise/wahrheitsgetreu die Farben nach der Natur wiedergegeben haben. Diese Information eruptiert effusiv aus den jeweiligen Himmelsröten jedes hierzu digital eingelesenen Bildes, denn diese in ihrem chromatischen Rot/Grün-Verhältnis auf der RGB Basis des Adobe Photoshop Programms definiert werden konnten - und eben derlei rötlich(t)e "Wahrheit" wiederum zum Nachweis darüber wird, dass eines der sehnsüchtigsten Schauspiele dieser Welt seine malerischen Intensitäten eben den Ausbrüchen von Vulkanen zu verdanken hat.

Somit ein Vulkanausbruch immer zwei Untergänge kreiert: den mitunter tödlichen für Menschen in eruptiver Nähe und all die fantastischen für Menschen außerhalb eruptiver Gefährdungen. Doch ohne Plinius' Brief gäbe es kein Augenzeugnis für die Nachwelt vom Untergang Pompeijs anläßlich des Ausbruchs des Vesuvs (79 n. Chr.) und ohne die Kunst der Malerei würde kein Bildzeugnis existieren über optische Phänomene vulkanproduzierter Pigmentierung von sonnigen Untergängen in unserer ambivalenten Welt.

Beispiel volcanic sunset
Der Schrei
75 x 57 cm
"Ich ging mit zwei Freunden den Weg entlang - dann ging die Sonne unter - der Himmel wurde plötzlich blutrot - ich hielt an, lehnte mich todmüde an einen Zaun - über dem blauschwarzen Fjord und der Stadt lagen Blut und Feuerzangen - meine Freunde gingen weiter und ich stand immer noch zitternd vor Angst - und ich fühlte, dass ein großer unendlicher Schrei durch die Natur ging."
Edvard Munch

Beispiel non-volcanic sunset
The Lake, Petworth, Sunset
63.5 x 139,7 cm
ca. 1828
Joseph Mallord William Turner

Beispiel volcanic sunset
Sunset
66,7 x 81,9 cm
ca. 1833
Joseph Mallord William Turner

Die Information über die Publikation der wissenschaftlichen Studie erreichte VolcanismInTheArts.de
per Rauchzeichen von der deutschen Vulkanologin NICOLE BOBROWSKI,
der hierfür mit vulkanigster Sonnenuntergangsstimmung gedankt wird!

Autor © Karawahn 2007

weitere Bilder und Berichte unter

Atmos. Chem. Phys. Discuss., 7, 5145-5172, 2007

Interactive comment by Dr. Bernhard Mayer, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Physik der Atmosphäre




 


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