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Das Gipfelbuch über den Vesuv - Eine Ausbruchsammlung von Dieter Richter

Im allgemeinen ist der Mensch Jäger und Sammler. Das kann im speziellen sowohl ein jagender Sammler oder ein sammelnder Jäger sein, doch mit zunehmender Aktivität bleibt für den Überlebenden, egal ob er Kunst, Müll, Briefmarken oder Tiere jagt oder sammelt, letztendlich nur eine Sammlung übrig, eben die an Erfahrung. Warum also nicht gleich Erfahrungen sammeln? Zusätzlich zu den eigenen einfach auch die Erfahrungen von anderen, exakt das, was selber nicht gejagt oder gesammelt werden kann - weil es den zu jagenden oder sammelnden Wert nicht mehr gibt oder geben wird oder nur noch anders geben kann - z.B. Erfahrungen des Seins am aktiven, am ausbrechenden Vulkan Vesuv. Und genau das präsentiert Prof. Dr. Dieter Richter in seinem neuen Buch Der Vesuv - Geschichte eines Berges: eine wunderbare Auswahl gesammlter Ausbrucherfahrungen, allesamt ergossen von Sinneszeugen vesuvianischer Aktivitäten aus den letzten 2.000 Jahren.

Und so trifft sich in seinem Buch ein who is who der Literatur, die alle schon mal dabei waren, wenn sich der Vesuv mal wieder in ein erhabenes Licht-, Wärme-, Rauch-, Leben- und Todereignis verwandelte. Und die dann nach persönlichem Ausdruck des Unermesslichen dieser Momente rangen - die Worte und Bilder ausbrechen lassen mußten zum individuellen Maß einer Inspiration, die uns eben heute noch von Sinnen macht, süchtig macht nach den Ambivalenzen vergangener Vesuvereignisse, nach den Sinnlichkeiten vulkanischer Atmosphären schlechthin. Und so sind auch nicht nur die grossen Ausbrüche als Stimulans empfunden worden, sondern eigenes Sein allein in Nähen zum Vesuv alle literarischen Seismographen eigens erfahren ließ, was ein Tanz auf dem Vulkan ist, wer so heiß wie ein Vulkan ist und warum eine Stadt wie Neapel eine brodelnde ist, in der nicht wenige Zeitgenossen ihre fleischlichen Gelüste als ständig überkochende empfanden:

"Brachen nicht die Flammen des Vesuv und die Flammen der Begierde aus ein und derselben Tiefe?"
(S. 88)

Da erscheinen zig Bildbände über Vulkane und zeigen auf zig Bildern zig Mal das Gleiche: Eruptionen, Lavaflüsse und Zerstörungen - haben Sie einen, haben Sie alle. Da fahren zig Tausend Menschen zu Vulkanen und sind enttäuscht, wenn sie derartige Vulkanbuch- und -fernsehbilder nicht zu sehen zu bekommen bzw. nicht selber foto- und videografieren können. All denen und all den medialisiert Vulkanverängstigten kann nun geholfen werden zwecks Verhinderung weiterer Enttäuschungen und Ängste: besorgen Sie sich (nicht nur) dieses neue Buch von Dieter Richter und fahren sodann nochmal bzw. endlich mal zu dem Vulkan, der sie SO frustiert bzw. medial geängstigt hat.

Dort fangen Sie dann an, im Anblick des Vulkans zu lesen. Ich bin mir sicher: bevor der Vulkan kommt, kommen Sie - auf die eigene Sicht, auf das vulkanische Gefühl, was Sie verstehen lässt, warum NATURereignisse KEINE NaturKATASTROPHEN sein können, und warum Vulkanismen als Projektionsfläche genossen und genutzt werden sollten, als Ideenschmiede für das, was Sie schon immer mal ändern wollten - Sie müssen nichts rauslassen, Sie müssen einfach nur reinlassen.

"Es ist Feuer unter der Erde
und flüssiger Stein.
Es ist ein Strom unter der Erde,
der strömt in uns ein."
Ingeborg Bachmann
(S. 10)

Nur für Sie hat der Autor Dieter Richter in den literarischen Verschüttungen von mehr als 2.000 Jahren die funkensprühendsten Schriften über die Provokationen des Vesuv und deren augenzeugenden Interpretationen, eben planetaren Druck zu Sein und Reflektion menschlicher Existenz zu verschwenden, ausgegraben und zu einer einzigartigen Ausbruchsammlung namhafter Autoren kompiliert, äußerst spannend kommentiert und fordernd multipliziert: in noch nicht allzu vergangenen Zeiten waren Vulkane Schauspiele der Natur und als solche immer im Verständnis eines Kulturereignisses par exellence ... und dieses Kapitel abzuschließen, wäre eine katastrophaler Abbruch:

"Wir hatten nun einen Text vor uns,
welchen Jahrtausende zu kommentieren
nicht hinreichen."
Goethe über den Vesuv (Neapel 2. Juni 1787)
(S. 8)

Nochmals! Besorgen Sie sich diese einmalige Ausbruchsammlung, und graben Sie sich ein in vulkanisiertes Gedankengut - Ihr schoenster Ausbruch kommt bestimmt ... .

De monte Vesuvio
Sebastian Münster - 1554

Ausbruch des Vesuv
Kupferstich
Philibert Benoît de La Rue - 1754

Der Ausbruch des Vesuv
im Jahre 79
Federzeichnung
Johann Wolfgang von Goethe - 1787

Der Vesuv
Geschichte eines Berges
Buch von Dieter Richter
Verlag Klaus Wagenbach
Berlin 2007
212 Seiten - € 24,50

Prof. Dr. Dieter Richter lehrt an der Universität Bremen Kulturwissenschaft, Kritische Literaturgeschichte und literaturwissenschaftliche Methodenlehre,
ist Initiator der Ausstellung Die letzten Stunden von Herculaneum und Verfasser zahlreicher kulturwissenschaftlicher Bücher

(u.a. “Pompeji und Herculaneum“, „Der brennende Berg“, „Neapel - Biographie einer Stadt" usw.)

Interview mit Dieter Richter (2005) samt weiterer Buchtips

Alle Abbildungen und Zitate aus dem Buch Der Vesuv - Geschichte eines Berges © Verlag Klaus Wagenbach 2007
Text und Foto © Kain Karawahn 2007



 


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